Bezahltes Interview
Steuerfachangestellter: Der unterschätzte Zukunftsberuf – digital, sicher, gefragt
Immer mehr Schüler fragen sich, wie zukunftssicher klassische Ausbildungsberufe wirklich sind – besonders in Zeiten von Digitalisierung und KI. Gleichzeitig berichten viele Kanzleien, dass der Beruf des Steuerfachangestellten moderner, digitaler und abwechslungsreicher ist, als es an Schulen oft vermittelt wird.
Grund genug für Kanzlei-Karriere, mit Steuerberater Sebastian ter Huurne von der Kanzlei KRP in Ahaus über Chancen, Vorurteile und die tatsächliche Zukunft dieses Berufs zu sprechen.
Hallo Herr ter Huurne - Schön, Sie heute hier im Interview begrüßen zu können
Kanzlei-Karriere: Herr ter Huurne, viele Schüler haben den Beruf „Steuerfachangestellte*r“ gar nicht richtig auf dem Schirm. Wie würden Sie ihn jemandem erklären, der gerade einen Ausbildungsplatz sucht?
Sebastian ter Huurne: Ich würde sagen: Als Steuerfachangestellte*r bist du die Person, die Menschen und Unternehmen dabei hilft, den Überblick über ihre Finanzen und Steuern zu behalten. Du arbeitest nicht versteckt im Hinterzimmer, sondern bist ganz nah an echten Entscheidungen dran: Welche Steuern fallen an? Wie kann man legal gestalten? Was bedeutet das für das Unternehmen oder den privaten Geldbeutel? Es ist ein strukturierter, verantwortungsvoller und gleichzeitig moderner Bürojob, bei dem du mit Zahlen arbeitest – aber immer mit einem Bezug zu echten Menschen.
Kanzlei-Karriere: Das klingt ziemlich verantwortungsvoll. Viele Jugendliche stellen sich unter dem Job aber eher „graue Ordner und Papierkram“ vor. Wie modern ist der Beruf wirklich?
Sebastian ter Huurne: Dieses Bild passt vielleicht noch zu den 90ern – heute definitiv nicht mehr. Moderne Kanzleien arbeiten fast ausschließlich digital. Belege kommen meist direkt auf digitalem Wege im System an. Wir nutzen spezialisierte Software, Online-Portale und zunehmend auch KI-gestützte Tools.
Gerade junge Leute, die mit Smartphone, Apps und PC groß geworden sind, haben da einen riesigen Vorteil. Du arbeitest in einem digitalen Umfeld, in dem du dich schnell zurechtfindest – und kannst dein Technikverständnis direkt im Job einsetzen.
Der Berufsalltag in einer modernen Steuerberatung ist geprägt von digitalen Tools statt Aktenordnern und Papierkram
Kanzlei-Karriere: Und wie sieht der Alltag in der Ausbildung aus? Viele haben Angst, den ganzen Tag nur das gleiche zu machen.
Sebastian ter Huurne: Der Alltag ist deutlich abwechslungsreicher, als viele denken. Ja, es gibt wiederkehrende Aufgaben, z.B. Buchhaltungen vorbereiten oder Steuererklärungen erstellen. Aber dahinter stehen immer unterschiedliche Menschen und Unternehmen mit ganz eigenen Situationen. Ein Tag kann zum Beispiel so aussehen:
- Am Vormittag bereitest du die Buchhaltung eines Handwerkbetriebs vor,
- später prüfst du Unterlagen von Angestellten,
- nachmittags bereitest du eine Besprechung mit einem Mandanten vor, der eine Immobilie gekauft hat.
Du lernst ständig dazu, weil jede Konstellation etwas anders ist. Langweilig wird es eigentlich nur, wenn man gar kein Interesse daran hat, wie Wirtschaft und Finanzen funktionieren.
"Steuerfachangestellte werden nicht durch KI ersetzt – sie arbeiten mit ihr. Wer digitale Kompetenz hat, ist im Vorteil."
Sebastian ter Huurne: Das höre ich tatsächlich immer öfter – und ich halte das für eine gefährliche Vereinfachung. KI kann bestimmte Routinetätigkeiten unterstützen oder automatisieren, zum Beispiel das Erkennen von Belegen oder erste Vorschläge für Buchungen machen. Das ist gut so – es nimmt uns Fleißarbeit ab.
Aber: Beratung, Verantwortung und Einordnung kann KI nicht übernehmen. Jemand muss entscheiden, was im Einzelfall sinnvoll und rechtlich korrekt ist, mit Mandanten sprechen, Situationen erklären, Rückfragen stellen, Lösungen finden. Das ist menschliche Arbeit – und wird es auch bleiben.
Ich würde es so formulieren:
„Steuerfachangestellte werden nicht durch KI ersetzt – sie arbeiten mit ihr. Wer digitale Kompetenz hat, ist im Vorteil.“
Gerade dadurch wird der Beruf noch moderner und für technisch interessierte junge Menschen noch spannender.
Sebastian ter Huurne: Steuern wird es immer geben. Und solange es Steuern gibt, braucht es Menschen, die sich damit auskennen. Egal ob in der Krise, bei Inflation, beim Immobilienkauf oder Unternehmensgründungen – Steuerprofis werden überall gebraucht.
Die Digitalisierung verändert die Arbeitsweise, aber nicht die Bedeutung des Berufs. Im Gegenteil: Wer heute mit einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten startet, lernt ein Berufsbild mit langfristiger Perspektive, das sich ständig weiterentwickelt.
Besser bezahlt als viele BWL-Absolventen: Auch finanziell betrachtet ist der Job als Steuerfachangestellter äußerst attraktiv
Sebastian ter Huurne: Ich finde es völlig legitim, darüber nachzudenken. Man investiert immerhin mehrere Jahre in eine Ausbildung und später vielleicht in Weiterbildungen.
Wenn man es sachlich betrachtet, kann man sagen: Erfahrene Steuerfachangestellte mit ein paar Jahren Berufspraxis können durchaus Gehälter erreichen, die über dem Durchschnitt vieler BWL-Absolventen liegen. Und wer dann noch weitergeht – etwa zum Steuerfachwirt oder später zum Steuerberater – hat nach oben sehr attraktive Möglichkeiten.
Es ist also ein Beruf, bei dem du sowohl inhaltlich als auch finanziell aufbauen kannst, wenn du dranbleibst.
Sebastian ter Huurne: Du musst kein Mathe-Genie sein, aber du solltest Zahlen nicht komplett hassen. Wichtiger ist:
- Zuverlässigkeit und Genauigkeit – kleine Fehler können große Auswirkungen haben.
- Struktur und Ordnungssinn – du arbeitest mit Fristen, Unterlagen, Gesetzen.
- Interesse an Menschen und Wirtschaft – am Ende arbeitest du immer für konkrete Personen und Unternehmen.
- Und natürlich hilft es, wenn du offen für digitale Tools bist und Lust hast, dich in neue Programme reinzufuchsen.
"Gib dem Beruf eine Chance – nicht dem Klischee"
Sebastian ter Huurne: Ich würde sagen:
„Gib dem Beruf eine echte Chance – nicht dem Klischee.“
Mach ein Praktikum in einer modernen Kanzlei, sprich mit Azubis und jungen Steuerfachangestellten oder einfach auch ganz offen mit uns im Rahmen eines unverbindlichen Vorstellungsgesprächs. Du wirst merken: Das Bild von „verstaubter Steuerkanzlei“ passt nicht mehr zur Realität.
Wenn du einen Beruf suchst, der sicher, digital, verantwortungsvoll und entwicklungsfähig ist – und bei dem du später beruflich wie finanziell wachsen kannst, dann ist die Ausbildung zum Steuerfachangestellten eine sehr starke Option.
Sebastian ter Huurne: Sehr gerne.
Geschrieben von Hannah Schmidt
Hannah gehört zur Redaktion von Kanzlei-Karriere® und dem Deutschen Institut für Steuerberufe®. Sie hat zuvor Erfahrung im Medienbereich gesammelt.
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